Sakir Gökcebag

Sakir Gökcebag

Reorientation
23. Januar - 10. April 2016

Seit vielen Jahren lädt der Kunstverein Ludwigshafen einmal jährlich KünstlerInnen ein, eine auf die Ausstellungshalle bezogene Installation zu realisieren. Im Januar 2016 wird der türkische Künstler Sakir Gökçebag die Halle bespielen. Sakir Gökçebag setzt sich in seiner Kunst mit dem "Alltäglichen" auseinander; es sind Dinge, die uns allen bekannt und sehr vertraut sind. Diese alltäglichen Gegenstände werden jedoch oft durch minimale, äußerst subtile Eingriffe einer Verwandlung unterzogen, die ihre ursprüngliche Funktion vollkommen vergessen lässt. Gökçebags Eingriffe in das Alltägliche sind oft überraschend einfach. Durch Multiplikation eines Gegenstandes, durch Teilen, Zerschneiden, entwickeln die Dinge ein neues Eigenleben und führen dem Betrachter das ihnen innewohnende ästhetische Potential, das über ihre reine Funktionalität hinausgeht, vor Augen. So gelingt es Sakir Gökçebag mit einer großen spielerischen Lust und Freude einen uns bis heute prägenden Leitsatz des Bauhauses zu unterwandern: "form follows function" – die Form unterliegt der Funktion. Es ist unsere Eindimensionalität der Wahrnehmung und des Gebrauchs der Dinge, die der Künstler hinterfragt und mit viel Humor und Ironie, diesen Grundsatz der industriellen Moderne aus den Angeln hebt. Egal ob Kleiderbügel, Schirme, Gürtel, Toilettenpapier, Orientteppiche, Eimer, Gießkannen oder Gebetsketten; sie werden alle in neue überraschende, zweckfreie Ordnungen überführt. Die Art der Anordnung spielt dabei eine zentrale Rolle. Der Künstler spielt mit Symmetrien, arrangiert die Gegenstände zu geometrischen Formen wie zum Beispiel Kreise, Rechtecke oder Quadrate. Dem Ornament, das in der Bildenden Kunst über lange Zeit ein Schattendasein fristete, kommt eine zentrale Bedeutung zu und ist wesentliches Gestaltungsprinzip des Künstlers. Sie befreit den Gegenstand aus seinen funktionalen Fesseln und führt dem Betrachter mit einer großen Leichtigkeit, einer immensen Vielfalt an Ideen die Poesie des Alltäglichen vor Augen.

Sakir Gökçebag (*1965) studierte an der Fakultät der Schönen Künste in Istanbul und kam über ein DAAD-Stipendium an die Kunstakademie Düsseldorf. 1996 erhielt er den Markus-Lüpertz Preis und 2012 den George Maciunas Preis. Er war mit seinen Werken bereits in vielen internationalen Ausstellungen in den Niederlanden, in der Schweiz und in der Türkei vertreten. In Deutschland wurde er 2012 mit der von René Block kuratierten Einzelausstellung in TANAS bekannt.